Kaum in Kasachstan, da will der Zöllner mit meinem Rad eine Runde drehen. Er hatte sichtlich Mühe, das Gleichgewicht mit der Menge an Gepäck zu halten. Wir hingegen lachten uns kaputt! Ein netter Empfang! Leider durfte ich kein Bild von ihm machen. Klar, Uniform usw… Kurze Zeit später sah ich die ersten freilaufenden Kamele, ein atemberaubender Augenblick! Danach wechselten die Eindrücke schlagartig. Beim ersten kleinen Dorf wollten wir kasachisches Bier für den Abend ordern. Da kam schon ein total betrunkener, im Gesicht blutender Typ und wollte Geld… Er machte sich an Pierre ran und hielt stur wie ein Ochse sein Rad fest. Da sah ich an einem angrenzenden Grundstück die ersten Zuschauer. Voller Hoffnung lief ich an den Zaun und bat um Hilfe, da machten sie mir klar, dass sie ihn nicht kennen und nicht helfen werden… Auf den 20-30 Metern zurück ging ich langsam, mein Herz schlug wie wild und mir schossen Gedanken durch den Kopf. Ich bin ein Pazifist! Mein Instinkt sagte aber, mach es schnell und schalt ihn aus. Er ist schließlich dicht wie a Haus! Währenddessen entschärfte sich die Situation – Pierre gab ihm eine Dose Bier. Als sich der Typ das Bier auf Ex reinzog, die Hälfte davon lief ihm über den Oberkörper, suchten wir das Weite! „Was für ein Land“, sagten wir da zum ersten Mal. Etwa 20 km weiter machten wir dann endlich Rast. Am Tag darauf weckte uns nach einer kurzen Nacht wie immer die Sonne. Total fertig von der Hitze machten wir an dem Tag nur 20 km und beschlossen, einen Ruhetag einzulegen.

Um es euch zu verdeutlichen, wie es sich anfühlt in der kasachischen Steppe zu radl’n: Geht in die Sauna, dreht sie auf 40 Grad (ab 40 fahren wir nicht mehr), nehmt euer Bike mit rein und stellt es auf die Rolle. Dazu nehmt ihr noch einen Föhn mit. Den montiert ihr euch vor das Gesicht, macht ihn an und ab geht die Lutzi! Nicht zu vergessen Langarmtrikot sowie Schuhe, Kappal und Hose. Das geht, aber es macht die Birne total gaga und man kann sich kaum konzentrieren. Jetzt versteh ich auch, warum in vielen Berichten dieser Art von Unfällen und Stürzen in der Steppe die Rede ist. Einer, der es kennt, würd vermutlich hier im Sommer nicht radl’n. Naja, man macht so seine Erfahrungen…

Morgens fuhren wir dann noch früher los, um endlich am Kaspischen Meer anzukommen! Es war noch dunkel, als wir an diesem Samstagmorgen ein Dorf passierten. Da kam aus dem Nichts eine Flasche geflogen, die knapp neben mir zerschellte. Dem folgten dann noch Rufe, die ich nicht verstand. Ein sehr komisches Gefühl war das, denn es waren noch viele Jugendliche auf der Straße, die auch irgendwas riefen. Unversehrt kamen wir endlich am Meer an, das zweite bisher. Eine unglaubliche Kulisse: Kühe, Pferde und Kamele im seichten Wasser, die das kaum salzige Wasser tranken. Am Strand traditionelle kasachische Juchten. Beim Fotografieren kamen Stimmen aus der Jucht und schon waren wir zum Tee eingeladen. Ein paar Fischer machten grad Pause und waren super freundlich und interessiert. Scheinbar kommen hier öfters Leute durch. Sie erzählten von einem Motorradfahrer aus Deutschland, zwei Radfahrern aus Frankreich und einer Radfahrerin aus Deutschland. Es liegt vermutlich an der nahe gelegenen Straße, die hier nur 5 km vom Strand entfernt ist. Jedenfalls hatten wir eine super Zeit am Meer. Man hat uns ständig zum Essen eingeladen. Es gab auch eine Strandbude mit kalten Getränken. Nur das Meer war warm wie eine Badewanne, dennoch eine angenehme Abkühlung. Am nächsten Abend wollten wir aufbrechen und waren auch schon startklar, da kam ein heftiger Sandsturm auf. Nun ja, eigentlich ganz cool, ein Naturspektakel zu sehen. Man konnte das Wasser nicht mehr erkennen so viel Sand war da in der Luft. Die Juchten drohten wegzufliegen. Wir stemmten uns alle mit Manneskraft von innen gegen die Konstruktion und warteten ab. Vielleicht sollten sie mal über eine Verankerung im Boden als eine weitere Entwicklung nachdenken… Als der Sturm dann nachgelassen hat und es nur regnete, war die Luft so frisch, dass ich gerne im Regen stand. Es war bereits Nacht und wir durften mit in der Jucht übernachten! Einfach einmalig, was für ein Land!

Servas!

English:

What a country!

We had hardly arrived in Kazakhstan, when the customs officer wanted to take a spin on my bike. He visibly had difficulties to keep his balance with that much baggage. We, in contrast, cracked up laughing!! What a nice welcome! Unfortunately, I wasn’t allowed to take a picture of him. Sure, uniform etc…Shortly after I saw the first wild camels, a stunning moment! After that, the impressions changed rapidly. In the first small village we wanted to order Kazakh beer for the evening. And there was a guy coming, drunk and bleeding from his face, and wanted money… He made a pass on Pierre and mulishly held his bike. Then I saw the first spectators on the neighboring property. Full of hope I was running to the fence and asked for help, but they made it clear to me that they didn’t know him and that they wouldn’t help me… I was walking slowly on the 20-30 meters back, my heart was in my mouth and thoughts were crossing my mind. I am a pacifist! However, my instinct told me to do it quickly and knock him out. After all, he was drunk as a skunk! In the meantime the situation relaxed – Pierre gave him a can of beer. When the guy was downing it – half of it ran down his upper body – we took to our heels! “What a country,” we said for the first time. Approx. 20 km further we finally took a break. The day after a short night the sun woke us as always. Totally worn out by the heat, we only covered 20 km and decided to have a day of rest.

Let me portray how it feels to cycle in the Kazakh steppe: Go to the sauna, crank it to 40 degrees Celsius (above 40 degrees we don’t cycle anymore), take your bike into it and put it on a roll. Then you take a hair dryer. Mount it in front of your face, switch it on and there you go! Don’t forget your long-sleeved jersey as well as shoes, hat and pants. It works but it’ll fry your brain and you can hardly concentrate. Now I can also understand why in many reports they talk about related accidents and people falling off their bikes in the steppe. Somebody who knows about it probably wouldn’t bike here in the summer. Well, that’s how one gains experience…

In the morning, we started even earlier to finally arrive at the Caspian Sea! It was still dark when we passed through a village on that Saturday. Then, out of nothing, a bottle came flying out of nowhere shattered into pieces right next to me. Shouts followed which I didn’t understand. It was a very strange feeling because there were many teens on the streets who also shouted something. Unhurt, we finally reached the sea, the second one so far. It was an amazing scenery: cows, horses and camels in the shallow water drinking the nearly saltless water. At the beach traditional Kazakh yurts. When taking pictures, we heard voices coming out of the yurt, and we were invited for tea right away. A few fishermen were having a break and they were super nice and interested. Obviously, people pass this area quite often. They told us about a motorcyclist from Germany, two bikers from France and one from Germany. I guess people pass through here because of the street, which is only 5 km away from the beach. Anyway, we had a good time at the sea. We were invited for meals all the time. There was even a beach bar serving cool drinks. Only that the water in the sea was as warm as bath water, but nevertheless it was a pleasing refreshment. The next evening we wanted to leave and were ready, when a heavy sand storm broke. Well, actually quite cool to watch such a wonder of nature. There was so much sand in the air that you couldn’t see the sea anymore. The yurts were almost blown away. With all our manpower, we pushed against the construction and waited. Maybe they should think of mounting the yurts to the ground as a further development… When the storm eased and it was only raining, the air was so fresh that I liked to stand in the rain. It was already night and we were allowed to sleep in the yurt! Simply unique, what a country!

Bye!