Ein unbekanntes Land…

Ein unbekanntes Land…

Von Transnistria hab ich zum ersten Mal vor ein paar Tagen gehört. Es ist ein Land, das eigentlich zu Moldawien gehört, sich aber in den Neunzigern abgekapselt hat (aus welchen Gründen auch immer). Heute ist es moskaukonform und wird von der Weltgemeinschaft gar nicht anerkannt… Nun hab ich mir nix dabei gedacht, denn schließlich blieb ich nur eine Nacht dort. Doch schon an der Grenze war es anders als alles bisher Bekannte. Es gab vier Checkpoints, an zwei musste ich meinen Pass vorzeigen, an den anderen zwei gab es Schranken und schwer bewaffnete Soldaten… Um durch diese moldawische Provinz zu kommen, musste ich eine Immigrationsgenehmigung für 24 Std. einholen. Nichts Besonderes: Grund und Dauer der Einreise. Doch schon kurz darauf auf einer Brücke gab es den nächsten Checkpoint, zwar ohne Kontrolle aber wieder mit schwer bewaffneten Soldaten und einem mit Tarnnetz getarnten Panzer… In der Stadt gab es viele militärische Denkmäler, die an die Macht der Russen erinnern. Das waren hauptsächlich Panzer und nicht zu vergessen eine mordsgroße Leninstatue. Das alles war schon ein ziemlicher Schock, denn damit hab ich nun wirklich nicht gerechnet. Dementsprechend ist hier auch die Mentalität. Das Einzige, was wohl zählt, ist Stärke und Macht. Nicht auszudenken, wie hier die Kinder aufwachsen. Ich mein, die ganze militärische Präsenz und linksrum scheinbare Feinde. Im Westen Moldavien, im Norden, Osten und Süden Ukraine. Seltsam ist aber, dass, obwohl das Land nicht anerkannt wird, es hier westliche Autohäuser, Produkte aller Art und sogar das Bier der moldawischen Hauptstadt Chişinău gibt. Scheinbar nach dem Motto „solange der Rubel rollt“… Apropos Rubel, das ist hier auch so eine Sache. Man kann an den Bankautomaten nur russische Rubel abheben, damit aber nicht zahlen… Ein Gang zur Wechselstube ist unumgänglich. Des Weiteren kann man diese Währung nirgends auf der Welt umtauschen, das heißt, man muss es vor der Abreise wieder in eine andere Währung umtauschen…
Bei der Ausreise bin ich mal wieder abgerippt worden. Der Zöllner des Möchtegernlandes sagte, dass ich die 40 km zurück radln soll und mir einen Stempel von der Polizei einholen müsste… Klar, dass das eine reine Schikane war und er auf Geld aus war. Schließlich wollte ich das Loch verlassen und er wusste, dass ich nie und nimmer am selben Tag zurück wär. Da hätte ich dann das nächste Problem gehabt, mit dem er mich erpressen könnte. Man darf sich da nicht länger als 24 Std. ohne Visa aufhalten… Also musste ich ihm umgerechnet 80 € für die Ausreise bezahlen… Dieser Penner! Schon komisch, dass ich bis jetzt nur mit vermeintlichen Ordnungshütern Probleme hatte, ja gar erpresst wurde!
Alles sehr seltsam und vor allem sehr rau dort. Zum ersten Mal fühlte ich mich nicht sicher… Bin heilfroh, da durch zu sein!

Ab sofort bin ich nicht nur stumm, sondern auch blind – kyrillisch…

PS: Bin in Odessa und die Nabe läuft wieder 1 a ohne Geräusche! Fettes merci an dieser Stelle für den Support an Bike Schmiede München und Rohloff!

English:

An unknown country…

A few days ago, I heard of Transnistria for the first time. It is a country that actually belongs to Moldova, but it separated itself from Moldova (for whatever reasons) in the 1990s. Today it conforms to Moscow and is not recognized by the world community. I didn’t think too much about it as I only spent one night there. But already at the border, things were different from those I’ve experienced so far. There were four checkpoints. At two I had to present my passport, and at the other two there were gates and heavily armed soldiers… To pass through this Moldovan province I had to obtain a 24-hour immigration permit. Nothing special: reason and duration of stay. Shortly after, there came the next checkpoint. It did not involve the presentation of my passport, but again there were heavily armed soldiers and a tank covered by a camouflage net…The city has many military monuments in memory of the former Soviet power. These monuments were mainly tanks and not to forget a humongous statue of Lenin. All this was quite a shock because I really hadn’t expected that. The mentality follows the appearance here. The only important things are strength and power. I don’t want to think about how children grow up here. I mean, the entire military presence and the presumed enemies all around. In the west there is Moldova, and in the north, east, and south the Ukraine. Although the country is not recognized as such, it is strange that there are western car dealers, products of all kind, and even the beer of the Moldovan capital Chişinău. Apparently according to the motto “money makes the world go round”. Speaking of money, that’s also a subject. At ATMs, you can only withdraw rubles but can’t pay with them. Going to the exchange office is inevitable. Furthermore, you can’t change their currency anywhere in the world, which means that you have to change it into another currency before you leave.
I was ripped off again while exiting the country. The border guard of this wannabe country told me to cycle back 40 km and to get a stamp by the police… Obviously, it was just to harass me and he was after my money. After all, I wanted to leave this hole, and he knew that I wouldn’t have made it back the same day. This would be the next problem he could use to blackmail me. You mustn’t stay longer than 24 hours… So I had to pay an equivalent of 80 € for exiting the country… What a bum! It is really odd that I’ve only had problems with alleged law officials, and even got blackmailed!
Everything is strange and, above all, rough. For the first time, I don’t feel safe… I’m more than happy to be out of there!

From now on, I’m not only mute but also blind – Cyrillic…

PS: I’m in Odessa now, and the hub works just fine and without noises! At this point, I cordially thank the “Bike Schmiede München” and Rohloff for their support!

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