Diese Etappe hatte alles zu bieten! Wunderschöne Landschaften, extreme Temperaturen und Winde, körperliche Grenzerfahrungen sowie Action mit der Polizei.

Als wir Lhasa verlassen haben, war die Temperatur noch konstant um die 12 Grad. Doch schon in der ersten Nacht Frost, das Thermometer sank unter Null… Morgens ist das immer eine Prozedur, das Zelt vom Eis zu befreien und zu trocknen. Tag Zwei und der erste Pass. 1.200 Meter rauf auf 4.500 hm! Oben pfiff der Wind und es war spürbar kälter. Dafür die Wahnsinns-Sicht auf den Yamzho Lake, an dem wir dann auch nächtigten. Diese Nacht am See hat meine halb auskurierte Erkältung wieder ausbrechen lassen… Angeschlagen schleppte ich mich an dem Tag 60 km entlang des Sees in ein größeres Dorf. Da Mathieu mit uns mitgefahren ist, konnte er mit seiner chinesischen ID-Card ein Zimmer ordern! Was für ein Glück! Tag darauf musste ich pausieren, bevor es am kommenden Tag über den nächsten Pass vorbei am Kharola-Gletscher auf 5.039 hm ging. Ganz schön zapfig, wenn man da im Schatten steht! Für die Abfahrt zogen wir noch ein paar Schichten extra an, die äußerste natürlich winddicht. Dann schossen wir mit ca. 50 bis 60 Sachen runter, ein Wahnsinns-Spaß, den wir nur dank beinahe perfekten Straßen hatten! Traumhafte Kulisse, Felsmassive, die in Schichten mehrere Farbtöne von sich gaben und das Licht war so grell. An dem Tag campten wir auch in der Umgebung und gafften nur. Gyangze und die nächste Pause, meine Scheiß-Erkältung… Ich nahm inzwischen Medikamente. Während sich die zwei Tempel für Tempel anschauten, lag ich im Bett… Kann es mir heut kaum ausmalen, wie es wohl gewesen wäre, wenn wir Mathieu nicht kennengelernt hätten… Den nächsten Tag ging’s nach Xigaze, ein brettlflaches Stück. Auch dort nahmen wir ein Zimmer in einem tibetischen Gasthaus. Nun war das aber eine Stadt… Am frühen Abend war die Polizei da und hat sich nach uns erkundigt! Keine Ahnung, woher sie von uns wussten und was passieren wird. Die tibetische Dame vom Haus hat uns gedeckt. Sie musste zwar die Namen rausrücken, schwieg aber über die Räder! Eine sehr nette alte Dame. Ihr war klar, dass wir illegal unterwegs sind und ohne uns zu kennen, ging sie ein Risiko ein. Die Stimmung ist nach wie vor sehr gespannt zwischen Tibetanern und Chinesen. Ich persönlich mag die Menschen hier von Tag zu Tag mehr. Sie lächeln immer und strahlen ein Wohlbehagen aus. Unglaublich, wie sie unter diesen Umständen so froh gesonnen sind! Vielleicht liegt es daran, dass die Besatzung schon seit den Fünfzigern zu Gange ist und sie nichts ändern können…? Die Gegenwart und der Moment, das Sein ist wichtig und wahrhaftig für diese Menschen. Zunehmend begreife ich einige Dinge und spüre diese Energie, die ich in Lhasa vermisst habe.

Wegen der Umstände, das Interesse seitens der Polizei, verließen wir die Stadt im Morgengrauen. Sehr seltsam war das jetzt, an Kasernen und Streifenwagen vorbeizufahren. Nichts war mehr sicher, zum ersten Mal fühlte ich mich auch richtig illegal. Zur selben Zeit klopfte die nächste Sorge im Kopf. Mir lief die Zeit davon! Leider konnte ich mein Visum nicht verlängern… Die einzige Option war von Lhasa aus eine Tour durch Tibet für 3000 $ zu buchen, dann hätte es auch mit der Verlängerung geklappt. Indiskutabel! Jeder überzogene Tag kostet 50 €, damit die Rechnung klar. Dennoch wollte ich rechtzeitig raus, um Komplikationen an der Grenze zu vermeiden. Was aber noch wichtiger war, waren die Infos von Schweizern, die wir in einer Bar in Lhasa kennengelernt haben. Die Gruppe von ca. 10 Freunden in meinem Alter machte eben eine geführte Tour nach Kathmandu. Sie sendeten alle Checkpoints, die sie sahen, dabei sind zwei davon berüchtigt. Diese zwei Checkpoints standen noch bevor. Wenn ich sie schon ohne Genehmigung passierte, dann hab ich einen guten Tag erwischt. Ohne gültiges Visa wär in meinen Augen schon eine Provokation an die Chinesen… Somit zog ich das Tempo an, um rechtzeitig da anzukommen. Wie immer bisher musste ich auch am nächsten Pass, den Jia Tsuo La-Pass mit 5.220 hm, merken, dass nichts so läuft, wie ich es will. Wie verhext meldete sich das Knie wieder. Es stach und pochte wie verrückt! Ehrlich gesagt dachte ich zu dem Zeitpunkt, das war’s… Sofort nahm ich Pillen für’s Knie, die ich in Vienna verschrieben bekommen habe. Oben drauf nahm ich noch Schmerzmittel, um nicht zu unterbrechen. Jaja, ich mutiere zwar langsam zum Naturfreund aber die Pharmaindustrie lob ich mal an der Stelle! Die Checkpoints konnte ich problemlos passieren, scheinbar haben die Chinesen Respekt vor körperlicher Ertüchtigung. In den nächsten Tagen begleitete mich der Schmerz und die Sorge, dass es anschwillt. Zwei Tage noch, über 300 km und noch der Lang Long-Pass mit 5.180 hm. Ich beschloss, ein Stück per Anhalter zu fahren. Naja, die Menschen fahren hier nur kurze Wege und es gibt so gut wie keinen Verkehr. Somit kam ich immer nur zum nächsten Dorf und konnte in zwei Tagen nur ca. 60 km per Anhalter fahren, dabei aber wichtige Kilometer. Den letzten Pass zum Beispiel, das hat meinem Knie gut getan! Oben angekommen war es bereits der 9. Nov., der Tag an dem mein Visum ablief, der Tag, an dem Bubu Geburtstag hatte… Es waren noch ca. 70 km zur Grenze, aber schon Nachmittag. Ich war fix und alle nach der Eile der letzten Tage und das Scheiß-Knie… Auf dem Lang Long-Pass gibt’s eine kleine Hütte, die offen ist. Es war klar, die letzte Nacht in Tibet verbringe ich hier oben. Die Aussicht war fantastisch. Ich sah direkt vor mir nur 7- und 8-Tausender und wusste, dass dahinter schon Nepal ist! Auch wenn ich am Tag zuvor den Mt. Everest gesehen und in seinem Blick gezeltet habe, war das das beste Erlebnis dort oben auf dem Pass! Am Morgen darauf stand ich auf und war den Tränen nahe, als ich diesen Sonnenaufgang gesehen habe. Das war definitiv der schönste Morgen der Reise bisher! Wie versteinert saß ich da und staunte, wie die Gipfel plötzlich zu Leuchten begannen. Nach etwa zwei Stunden fuhr ich dann runter. Die längste Abfahrt der Welt, 140 km von 5.180 hm auf 500 hm!

Eine der extremsten Erfahrungen bisher. Oben schlief ich noch bei -20 Grad, schon an der Grenze zog ich die Handschuhe aus. Dazwischen war es fast wie ein freier Fall, den ganzen Tag kaum treten. Es gab heftige Winde, als ich die Wolkengrenze durchquerte und man sah Bäume und Wasserfälle! Später auf der nepalesischen Seite fuhr ich bei +28 Grad in kurzer Hose und Trikot umgeben von Bananenbäumen und seltsamen Vögelgeräuschen. Unglaublich!

Der Grenzübergang war zu meinem Erstaunen ganz einfach. Die Zöllner stellten zwar Fragen, wie ich denn eigentlich hergekommen bin und wo mein Guide ist. Vor lauter diskutieren haben sie übersehen, dass ich einen Tag überzogen habe! Sie winkten mich dann nur durch ohne mein Gepäck zu kontrollieren!

Auf der nepalesischen Seite übernachtete ich direkt an der Grenze, bevor es dann Richtung Kathmandu ging. Man merkt hier gleich, dass es eines der ärmsten Länder Asiens ist. Die Straßen sind oft schlechte Feldwege und diese Behausungen… Am ersten Tag in Nepal fuhr ich an den letzten Pass. Ein letztes Mal 1.000 hm rauf und dann die Stadt! Den Pass bin ich förmlich ohne Pause hochgeflogen! Das hab ich dem Höhentraining in Tibet zu verdanken. Plötzlich überholte ich bei 8 % Steigung und ca. 60 kg Gewicht Traktoren und war jederzeit fähig, das Tempo zu erhöhen! Die Schmerzmittel und die Pillen für’s Knie wirkten und ich kam ohne weitere Probleme in Kathmandu an!

Jetzt leg ich eine Pause ein, werd meine Klamotten waschen, mein Rad checken, das Knie erholen und endlich duschen! In ein paar Tagen kommen Pierre und Mathieu an, auf sie werd ich warten und dann Richtung Indien radl’n!

Fettes Merci an die Crew aus der Schweiz, die Infos waren super hilfreich!

Servas!

English:

Lhasa – Kathmandu

This stage offered everything! Beautiful scenery, extreme temperatures and winds, physical experiences of limitations as well as action with the police.

When we were leaving Lhasa, the temperature was steady at around 12 degrees. However, there was frost on the first night, and the thermometer sank below zero… In the mornings, it was always a procedure to remove the ice from the tent and to dry it. Day two and the first pass. 1,200 meters up to 4,500 meters in altitude! On top, the wind was blowing and it was noticeably cooler. But there was the amazing sight on Lake Yamzho where we stayed overnight. This night at the lake made my half-cured flu come back… I was ailing and dragged myself along the lake for 60 km into a larger village. As Mathieu went with us, he could book a room thanks to his Chinese ID card! What luck! The following day I had to take a break before continuing to 5,039 meters in altitude via the next pass the following day, thereby passing the Kharola Glacier. In the shade it’s pretty chilly there! For going downhill, we put on a few extra layers, with the outer one being windproof of course. Then we shot downhill with 50 to 60 km per hour, what fun – thanks to the almost perfect streets! What a wonderful backdrop, mountains in layers giving several shades of color, and the light was so bright. This day, we camped in this surrounding and were just looking around. Gyangze and the next break, my damn flu… Meanwhile, I was taking medicine. While the other two visited temple after temple, I was lying in bed… Today I could not image how it would have been if we hadn’t met Mathieu… The next day we went to Xigaze; a really flat part. There, we also rented a room in a Tibetan guesthouse. But it turned out that we were in a city… In the early evening, the police arrived and inquired about us! I have no idea how they knew about us and what would happen. The Tibetan guesthouse lady covered for us. Though she had to come out with our names, she was silent about the bikes! A really nice elder lady. It was clear to her that we were on our way illegally, and without knowing us she took the risk. Still, the atmosphere between Tibetans and Chinese is tense. Personally, I like the people here more with each day. They always smile and emanate complacency. It is incredible how merry they are under these circumstances! Maybe that’s because the occupation has been going on since the 1950s, and they can’t do otherwise…? The present, the moment and being is important and true for these people. Gradually I understand a few things and feel the energy that I missed in Lhasa.

Due to the circumstances, the police’s interest, we left the city at dawn. Now it was a strange feeling to pass military barracks and police cars. Nothing was safe anymore, and for the first time I really felt illegal. At the same time another sorrow was bugging me. Time was running out! Unfortunately, I couldn’t extend my visa…The only option was to book a tour through Tibet for $3,000 from Lhasa, because then the extension would have been no problem. Out of the question! Every extra day costs $50, thus making the bill obvious. Despite that, I wanted to leave the country to avoid complications at the border. However, even more important was the information given to us by Swiss guys at a bar in Lhasa. The group of approx. 10 friends of my age was participating in a guided tour to Kathmandu. They sent all checkpoints they saw, with two of them being notorious. These two checkpoints still lay ahead. If I got through without a permit, then I would have a good day. In my opinion, not holding a valid permit would be a provocation towards the Chinese… Therefore, I increased speed to be there in time. At the next pass – the Jia Tsuo La Pass on 5,220 meters in altitude – I had to realize, like before, that nothing happened as I wanted. As if someone cast an evil spell on me, my knee attracted attention to itself again. It was stinging and throbbing like hell! Honestly, at this point I thought that was it… I immediately took pills for my knee, which were prescribed to me in Vienna. I additionally took pain killers to avoid an interruption. Well, although I’m gradually transforming into a nature lover, I’d like to praise the pharmaceutical industry at this point! I could pass the checkpoints without any problems. Obviously, the Chinese have respect for physical strengthening. During the following days, I was accompanied by the pain and the sorrow that my knee might get swollen. Two more days, more than 300 km and the Lang Long Pass with 5,180 meters in altitude. I decided to hitchhike a part of the way. Well, people here drive only short distances and there is hardly any traffic. So I hopped from one village to another and could cover a distance of roughly 60 km only. However, these kilometers were important. The last pass, for example, which was good for my knee! Arriving on top, it was already November 9: the day on which my visa expired and Bubu’s birthday… I still had approx. 70 km to the border, and it was already afternoon. I was totally exhausted after the hectic past days and the damn knee…At the Lang Long Pass there is a little shelter which is open. It was clear that I would spend the last night in Tibet here. The view was fantastic. In front of me, I saw only seven- and eight-thousanders, and I knew that Nepal is just directly behind them! Although I saw Mount Everest and camped where I had sight on it the day before, this was the best experience here on top on the pass! In the morning I got up and was close to tears when I saw that sunrise. It has definitely been the most beautiful morning on the journey so far! Petrified, I sat there and was staggered when the peaks suddenly started to glow. After approximately two hours I cycled downhill. The longest ride downhill, 140 km from 5,180 to 500 meters in altitude!

One of the most extreme experiences so far. On top, I slept at minus 20 degrees, and already at the border I took off the gloves. In-between, it was like a free fall, I hardly had to push the pedals all day. There were heavy winds when I passed through the cloud ceiling, and you could see trees and waterfalls! Later, on the Nepalese streets it was plus 28 degrees and I cycled in shorts and tricot, surrounded by banana trees and strange bird songs. Incredible!

To my astonishment, crossing the border was just easy. The customs officers did ask me questions how I made it here and where my guide was. From so much discussing, they overlooked that I was overdue one day! They just waved me on through without checking my luggage!

On the Nepalese side, I slept directly at the border before continuing towards Kathmandu. Right in the beginning you know that this is one the poorest countries of Asia. The streets are often poor field paths, and these dwellings… On the first day in Nepal I cycled to the last pass. One last time going up 1,000 meters in altitude and then the city! I virtually flew up the pass without taking a break, thanks to the altitude training in Tibet! Suddenly, I overtook tractors, with 8 % of pitch and 60 kg of weight, and I was ready to increase speed at any time! The pain killers and the pills for my knee were effective and I arrived in Kathmandu without any further problems!

Now I’m going to take a break, wash my clothes, check my bike, give my knee a rest and finally take a shower! In a few days from now, Pierre and Mathieu are going to arrive, and I’m waiting for them to cycle towards India!

A big thanks to the crew from Switzerland, the information was super helpful!

Bye!