Zurück in München waren die ersten Tage schon gewöhnungsbedürftig. Ich mein, nichts war und ist mir fremd, nur die Perspektive verändert sich ein wenig. Das schnelle Leben, ständig in Bewegung und Veränderungen. Manchmal kommt’s mir vor wie im Dschungel ohne Kompass. Mein Instinkt, der in der letzten Zeit sehr wichtig war und zu meinem besten Freund wurde, zählt hier kaum noch. Es gibt klare Regeln für beinahe alles, als ob man hier einem das Denken abnehmen wollen würde … Ist das die Folge der Priorität Sicherheit? Sollen wir uns quasi nur noch mit Geld, Konsum und dem Stand beschäftigen oder bin ich bereits verkorkst? (Vielleicht war ich das schon immer…) Einige Dinge sind mir jetzt klar wie die Sonne! Bin dabei, gewisse Wörter aus meinem Wortschatz zu streichen. Ohne jetzt auszuschweifen: Dinge, die in der Natur nicht vorkommen, existieren nicht und machen vieles nur komplizierter. Erwähnen will ich sie nicht, denn erstens bin ich noch nicht ganz grün mit der These und zweitens will ich niemanden damit verwirren. Jetzt aber genug von dem Mist – es ist viel passiert! Wieder mal ein Zeichen, dass alles so kommen muss, wie’s kommt. Der Fokus meiner Kamera war defekt. Hab sie sofort eingeschickt – Garantiefall. (Deshalb viele Bilder aus dem Netz) Nicht auszudenken, wie ich im Himalaja ausgeflippt wäre… Dann besorgte ich mir gleich Visa für die nächsten Länder. Es ist weitaus einfacher und bequemer, die Botschaften in München abzuklappern, alleine schon, weil sie alle hier sind! Des Weiteren war auch ein Führungszeugnis erforderlich. Wie hätte ich das unterwegs auf die Schnelle besorgen sollen??

In den ersten Tagen schlief ich bis zu 14 Std., als ob der Körper und Geist erst hier zu Ruhe kommen würden. Zum ersten Mal seit dem Start aß ich wieder richtig gut. Es gab täglich Leibspeisen, von denen ich nur träumte! Ja, es ging mir wie Gott in Frankreich… Dann aber, in der ersten Woche, fuhr ich mit meinen über alles geliebten MTB, mit dem ich vor einigen Jahren zum ersten Mal die Alpen überquert hab, zur Arbeit. Dabei nahm mir ein Auto die Vorfahrt und ich knallte mit ca. 25 Sachen voll rein. Zum Glück ist nicht viel passiert. Ich flog zwar wie Superman, aber mir geht’s wieder gut! Die Vorderradfelge, Steuersatz und meine Jacke gingen dabei drauf. Ich holte mir nur eine Prellung an der Schulter und zwickte mir einen Nerv ab. Der Arm kribbelte deshalb ein paar Tage und mit den Schmerzen musste ich noch a bissal leben… Noch im Krankenhaus bekam ich Pillen, die meine Wahrnehmung voll verschoben haben. Das war ziemlich abgefahren… Das Bike wiederum war stationär beim Doc der Bike Schmiede München. Die Frau, mit der ich diese Begegnung hatte, erlitt nur einen kleinen Schock sowie Kratzer und Dellen am Auto. Schulterblick wird sie wohl nie mehr vergessen. Ja, da fährt man Tausende von Kilometern über Stock und Stein durch ganz Osteuropa bis kurz vor die Grenze zu China ohne Platten und wird zu Haus dant genommen… Ist das vielleicht die Folge des Vertrauens in unsere Regeln und Sicherheit? Hmm…

Viele interessante Menschen lernte ich auch kennen. Adrian zum Beispiel, ein Rikschafahrer aus München. Er kam vor zwei Jahren von seiner München-Kapstadt Tour zurück (www.globaltroter.tk). Wahnsinn!! Des Weiteren lernte ich Gurung aus Nepal kennen. Er hat dort noch Verwandte – vielleicht kann ich dort nächtigen?! Zu guter Letzt noch der Benni, der von Süd- nach Nordamerika geradelt ist! Neben seiner eigenen Fahrradwerkstatt hat er noch die von Rikscha Mobil geschmissen und wird jeden Moment Vater! Alles Gute auf dem bevorstehenden Abenteuer!

Jetzt geht’s am Dienstag wieder weiter, meine Maschine startet um 14:25Uhr. Mit einem Zwischenstopp in Riga geht’s weiter nach Almaty. Schon Ende der Woche hoffe ich ganz stark in China zu sein. Wie schon erwähnt, fahre ich bis Lhasa mit dem Zug… Das ist der Preis für den Trip nach München… Wie es aber genau abläuft, werd ich noch berichten. Unterm Strich war das eine sau coole Zeit hier, hab viele Freunde gesehen, einige Geburtstage miterlebt und alleine 600 km Krafttraining auf der Wiesn absolviert! In dem Sinne sag ich zum zweiten Mal, servas München, servas Leute! Fettes Merci noch an Angie und Charlie für Speis und Trank!

Bis bald!

English:

Home Sweet Home

Back in Munich, the first days took getting used to. I mean, nothing was or is estranged to me, only the perspective changes a little bit. The fast life, constantly moving and changing. Sometimes I feel like I am in the jungle without a compass. My instinct, which was very important to me recently and which has become my best friend, does merely count here. There are clear rules for nearly everything, as if people should be relieved of thinking here…Is that the consequence of the priority security? Are we only to deal with money, consumption and status, or am I already too messed up? (Maybe I always have been…) Now certain things are as clear as sunlight! I’m about to cut out certain words of my vocabulary. Without running a riot now: Things that do not exist in nature, do not exist and make many things only more complicated. I don’t want to mention them, because firstly, I haven’t got quite used to this thesis, and secondly I don’t want to confuse anyone with it. But let’s quit that rubbish – a lot has happened! Again, a hint that everything happens as it is supposed to happen. The focus on my camera was broken. I immediately sent it back for repair – warranty case. (That’s why there are so many pics from the internet) I don’t want to imagine how I would have freaked out at the Himalayas… Then I applied for the visas for the next countries right away. This is much easier and more comfortable to pound the Embassies in Munich, just because they are all here! Furthermore, a certificate of good conduct was also required. How should I have got one quickly when I’m on the road??

In the first days, I slept up to 14 hours, as if body and mind would come to rest only here. For the first time since the start, I have eaten really good food. Daily, I ate my favorite meals, of which I had only dreamed! Yes, it felt like God in France… But then, in the first week, I cycled to work with my beloved mountain bike, with which I passed the Alps several years ago for the first time. Thereby, a driver ignored my right of way and I crashed into the car with 25 km/hour. Fortunately, not much happened. Although I flew like Superman, I’m good again! The rim of the front wheel, the bike’s headset and my jacket were damaged in this accident. Only my shoulder got bruised and my nerve got pinched. Therefore, my arm was pins and needles for a few days, and I had to live with the pain for a little while… Still in the hospital, I got some pills that totally disarranged my perception. That was pretty spacy… The bike, on the other hand, was stationarily at the bike’s doc at the “Bike Schmiede München”. The woman, with whom I had the encounter, only suffered a shock and her car got scratched and dented. I guess she will never forget the shoulder check again. Well, I cycle thousands of kilometers over hill and dale through all of Eastern Europe until shortly before China without having a flat tire, only to get run over by a car at home… Maybe this is the consequence of trusting our rules and security? Hmmm…

I also got to know many interesting people. Adrian, for example, a rickshaw driver from Munich. Two years ago, he came back from his Munich-Capetown tour (www.globaltroter.tk). Amazing! Furthermore, I got to know Gurung from Nepal. He still has relatives there – maybe I can stay there for some nights? And last but not least Benni who cycled from South to North America! Besides running his own bike repair shop, he also ran the one of “Rikscha Mobil” and will become a father any moment! All the best to you for this forthcoming adventure!

I continue on Tuesday, my plane departs at 2:25 pm. With one stop in Riga, the journey continues to Almaty. I really hope to be in China already by the end of the week. As mentioned before, I take the train to Lhasa… That’s the price for the trip to Munich… But I will let you know the details then. All in all, it has been a really cool time here; I met many friends, attended several birthday parties and I completed 600 km of power workout at the Oktoberfest alone! In this spirit, for the second time I say good-bye Munich, good-bye everyone! Angie and Charlie, thank you so much for food and drink!

So long!