Es tat gut, zurückzufliegen und Abschied zu nehmen, auch wenn es noch ziemlich nachhallt und ich nur schwer aus dem Loch komme… Verliere grad den Sinn der Reise. Ich mein, alles, was ich schätze und liebe, ist daheim. Was mach ich hier also?? Wär es nicht besser, sich auf das zu besinnen?? Hab ich den Bezug zur Realität verloren?? Mehr denn je hab ich seit der Rückkehr Heimweh… Dementsprechend ist auch die Motivation im Moment…

Die Fähre aus Odessa hab ich genommen um zwei, drei Tage einzusparen und bei der Gelegenheit die Krim zu sehen. Allein die Landschaft hier bestätigt, dass es eine gute Entscheidung war! Die Überfahrt hatte auch was Tiefsinniges. Zum ersten Mal verbrachte ich eine Nacht auf einem Schiff. Dort war grad die Dämmerung, bei der sich der Himmel und das Wasser farblich anglichen und es plötzlich linksrum nur schwarz war. Ein Grund, um am nächsten Tag den Sonnenaufgang nicht zu verpassen! Das war das Beste an der Überfahrt! Ganz allein an Deck um halb fünf morgens, das Meer still und es wird hell, einfach atemberaubend!

In Sevastopol traf ich Raph, den ich schon in Odessa kennen gelernt hab. Ein Radreisender aus Paris, der nach Japan radelt und dabei einen Film über Konflikte macht (bald kommt sein Link auf die Seite). Wir hatten einen coolen Tag in Sevastopol. Es tat gut, mit einem Gleichgesinnten zu quatschen. Unsere Wege trennten sich auch dort, denn er bleibt noch, um ein paar Interviews zu machen. Eins vorweg, der Geheimdienst hat von seiner Arbeit Wind bekommen… Ich drück ihm die Daumen!! In Frankreich kommt er mir entgegen, um mich durch sein Land zu begleiten!

Im Moment bin ich in Jalta und die Bergetappe gestern hatte es in sich. Seit zwei Wochen der erste Tag und glei 1.500 hm. Dafür entschädigt die bezaubernde Landschaft und nach jedem Aufstieg kommt auch die Abfahrt! Die ist zwar viel schneller als der Aufstieg, aber einfach super, wenn das Gewicht einen auf 60 Sachen beschleunigt! So gar nicht mit unserer Leistungsgesellschaft kompatibel. Da zählt nur der Aufstieg! Immer weiter, immer schneller, immer höher… Und wofür?? An der Stelle möchte ich meine Mutter zitieren: „Du kamst nackt auf die Welt und wirst sie auch nackt verlassen!“

Mir geht es unter die Haut bei den Beobachtungen, die ich hier in der Ukraine mache. Waren es noch in Rumänien Zigeuner, die bettelten, sind es hier hauptsächlich nur Menschen mit körperlichen Einschränkungen und Rentner, die wohl keine andere Wahl haben. Ein wenig beängstigend, wenn ich da an unsere soziale Entwicklung denke…

Wie dem auch sei, ich lass es morgen wieder rollen und hoffe, dass der Petrus milde sein wird. Die Hitze und der häufige Platzregen hier machen es nicht einfach.

In dem Sinne,
C’est la vie!

English:

The Crimea

It felt good to fly back and to say farewell, even if it still echoes and I have a hard time picking myself up… At the moment I don’t know if the journey makes any sense. I mean, all I appreciate and love is at home. So what am I doing here??? Wouldn’t it be better to focus on that? Have I lost my grip on reality? More than ever I’ve felt homesick since the return. Accordingly, this is reflected in my motivation at the moment…

I took the ferry from Odessa to save two or three days and to see the Crimea at that chance. The landscape alone confirms that this was a good decision! The crossing also had something profound. For the first time I spent a night on a ship. It was twilight then, at which the sky and water adjusted in terms of color, and suddenly it was only dark all around. A reason not to miss sunrise the next day! That was the best during the crossing! I was all alone on deck at 4:30 in the morning, the sea was quiet and it was getting bright outside. Simply awesome!

In Sevastopol I met Raph who I had met back in Odessa. He’s a biker from Paris cycling to Japan and making a movie about conflicts (his link will be added to my page soon). We had a good time together in Sevastopol. It was good talking to someone like-minded. Our ways separated there because he stays a bit longer to make some interviews. One thing ahead: The intelligence service got wind of his work… I keep my fingers crossed for him!! He’s going to meet me on my way through France to accompany me through his country!

Now I’m in Jalta, and yesterday’s mountain stage was a hard piece of work. It has been the first day in two weeks and I covered 1,500 meters in altitude. But the captivating landscape makes up for it, and after every climb it’s going downhill! Although this is much faster that going uphill, it’s just great if your weight accelerates you to 60 kilometers per hour! But this isn’t conform to our meritocracy at all, where going up is the only thing that matters! Always further, always faster, always higher… But for what?? At this point I’d like to quote my mother: “You were born naked and you’ll leave this world naked!”

What I observe here in the Ukraine really touches me. In Romania it was the gipsies begging, and here it’s mainly people with handicaps and retirees who don’t have any other chance. This is a bit frightening when I think of our social development…

Anyway, I keep on moving tomorrow, and I hope that Petrus is mild. The heat and the frequent cloudbursts don’t make it easy.

Having said this,

C’est la vie!